Vom „Neuen“, Grenzgängen, zitternden Knien, Luftholen und Glücksmomenten

Relativ kurzentschlossen, wie so oft in meinem Alltag, entschied ich mich dazu, mal wieder etwas Neues auszuprobieren.
„Neues wagen“. Das ist irgendwie immer wieder ein Thema. Ob es nun gewagt wird, weil es eine Abwechslung zum beruflichen Alltag bietet, sich gut eignet für die persönliche Weiterentwicklung und den Lebenslauf, oder es einfach Zeit war sich mit sich selber auseinanderzusetzen, seine Grenzen zu spüren, aber auch zu erfahren, dass man einiges schaffen kann, wenn man nur will – vermutlich war bei mir von allen drei Ansätzen etwas dabei.
Und so stand ich da. Im Sommer, im Regen, beim ersten Modul der Hochseilgarten-Ausbildung „Lernen zwischen Himmel und Erde“.
Den Hochseilgarten in Dülmen durfte ich schon zweimal als Teilnehmerin kennenlernen, aber selber als Trainerin unten zu stehen und Gruppen dabei zu beobachten wie sie miteinander arbeiten, verzweifeln, kämpfen, siegen, lachen, Erfolge feiern und was sonst noch alles hinzukommen kann, das war mir neu.
Aber wie gesagt: Neues wagen scheint irgendwie wichtig zu sein, oder?
Das „oder?“ ist ein gutes Stichwort, denn selbstverständlich fragte ich mich, als ich das erste Mal (Selbsterfahrung stand beim Modul 1 nämlich auf dem Programm) nach oben kletterte und spürte, dass ich meine Beine kaum unter Kontrolle hatte, während ich auf der winzig kleinen Plattform stand und nach unten schaute, nicht nur einmal, ob das jetzt wirklich nötig war, mich für so etwas anzumelden.
Es folgten so einige Fragen, die mir durch den Kopf gingen, Momente in denen ich dachte, ich gehe keinen Schritt weiter, Situationen in denen ich spürte, dass es mir schwerfällt mir selber zu vertrauen – und das sowohl oben auf und zwischen den Seilen, als auch unten, wenn es in den nächsten Modulen hieß: „Anleiten und selber für eine Station verantwortlich sein“.
Was aber hängen bleibt sind die Begegnungen mit sich selber, die Selbstgespräche, das tiefe Luftholen, doch den nächsten Schritt gewagt zu haben und die Glücksmomente – und da ist es genau gleich schön sie selber zu haben und andere dabei zu erleben.
Und mit all den Erfahrungen, gemachten Fehlern oder Erfolgen, ging es dann im Oktober in die Abschlussprüfung, der alle mit gemischten Gefühlen entgegensahen. Knoten, Rettungsszenarien, Stationen auf- und abbauen. Irgendwie alleine, aber doch gemeinsam. Und das ist das Beste an der ganzen Sache:
„Neues wagen.“ Ist wichtig. Immer. Egal wie klein die Schritte sind, wie hoch das Ziel und wie tief der Fall (sein kann). Und vor allem macht es gemeinsam mit einer tollen Gruppe umso mehr Spaß.

Und jetzt freue ich mich drauf, zukünftig Menschen, ähnliche, ganz andere, oder gleiche Erfahrungen ermöglichen zu können, wie ich sie machen durfte. Im Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Hauptsache im Regen. ;-)

Text: Annika Kuypers
Weitere Infos zum Hochseilgarten Dülmen finden sich im Netz auf

www.hochseilgarten-duelmen.de



X