Komfortzone

Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Die Zeit des Aufwachsens ist eine aufregende Zeit. Ständig passiert etwas Neues, ständig wird der junge Mensch vor neue Herausforderungen gestellt. Besonders als Jugendlicher und als junger erwachsener Mensch erlebt man viele Neuerungen: Erste Partys, erstes selbstverdientes Geld, erste Küsse, erste durchtanzte Nächte, erste eigene Wohnung, erste längere eigene Reise, erstes Auto, erste Trennungen, erste Abschlüsse und erste Berufserfahrungen. Diese Zeit nehmen wir als aufregend wahr, sie fliegt förmlich an uns vorbei. Doch diese Zeit hält nicht ewig an, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, der Job langsam zur Routine wird, der Freundeskreis feststeht und der Nestbau beginnt, kommen wir in eine Zeit, die eher von Dauer als von Wandel geprägt ist.

Wir haben uns gemütlich in unserer kleinen Welt eingerichtet – uns unsere Komfortzone geschaffen. Dies kann sehr angenehm sein und ist für viele Bereiche in unserem Leben auch sehr wichtig, weil sie uns Sicherheit vermittelt und uns erlaubt zu Ruhe zu kommen. Doch das bloße verharren in der Komfortzone führt uns zu Stillstand unserer persönlichen Entwicklung und letztlich wahrscheinlich zu Langeweile.  In der Erlebnispädagogik gibt es ein Modell, dass die Welt des Menschen in drei Bereiche unterteilt: Komfortzone – Lernzone – Panikzone. 

Außerhalb unserer Komfortzone liegt für uns unbekanntes Gebiet. Dort findet sich alles, was wir eigentlich schon längst hätte tun sollen, aber immer vor uns hergeschoben haben, andererseits auch aufregende, reizvolle Dinge, die wir uns immer schon mal vorgenommen haben, an deren Umsetzung wir uns aber bislang nicht getraut haben. Das Verlassen des Komfortbereichs bringt daher meistens eine Herausforderung, eine Unbequemlichkeit, Überwindung oder sogar Angst mit sich - auch die Angst, zu versagen. Angstschweiß und Herzklopfen sind deutliche Anzeichen dafür, dass wir unsere Komfortzone verlassen. Doch genau in diesem Moment haben wir die Chance et-was zu lernen, unseren Handlungsspielraum zu erweitern und unsere Komfortzone zu vergrößern. Angst zu überwinden und die Erfahrung zu machen, eine Situation zu beherrschen, vor der man sich vorher immer gefürchtet hat, ist eines der besten Gefühle überhaupt.

Selbstverständlich müssen wir uns Aufgaben und Herausforderungen suchen, die wir meistern können. Ist die Aufgabe zu schwierig oder die Angst zu groß, befinden wir uns nicht mehr in der Lernzone, sondern in der Panikzone. Hier können wir keine bereichernden Erfahrungen mehr machen, sondern mit dem reinen Überleben beschäftigt.

Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Wann hattest du das letztes Mal richtiges Herzklopfen? Wann hast du deine Angst überwunden? Erinnern wir uns daran, dass auch Erwachsenen durchaus noch Grenzerfahrungen machen wollen und dass es ein gutes Gefühl ist, die eigene Komfortzone zu vergrößern.

Text: Stefan Gausepohl
Bildquelle: pexels.com/CCO Lizenz Sebastian Voor/rann

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